30 Jahre Aidshilfe - eine Chonik

30. Geburtstag
© Ruth Black / Adobe Stock

30 Jahre Aidshilfe. Wow. Eine bewegende Zeit liegt hinter uns. An dieser Stelle möchten wir euch einen kleinen Auszug aus unserer Geschichte präsentieren. Klickt euch durch, lest, schmunzelt und schüttelt den Kopf. Und falls euch eine weitere Anekdote einfällt, schickt sie uns per Mail oder greift einfach zum Telefonhörer und berichtet uns von ihr.

1991

Der Beginn

Chronik - 1991

1991 wurde unser Verein gegründet. Als erste Mammutaufgabe stand die Sanierung der Beratungs- und Geschäftsstelle in der Otto-von-Guericke-Str. 56b an. Die Räumlichkeiten haben wir uns zusammen mit dem Klub A3 als Mietergemeinschaft geteilt.

Parallel hierzu begann der Aufbau der Präventionsarbeit durch 2 ABMler und die erste AIDS-Aktionswoche in Magdeburg wurde durchgeführt. Das Konzept hierfür hat Sven auf einer Schreibmaschine getippt. Dabei hatte er eine Folie über den Kopf und die Schreibmaschine gezogen, da neben ihm die alten Öfen abgerissen wurden. Home-Office gab es halt noch nicht. 😅

1992

Pflanzen und Computer ziehen ein

Chronik - 1992

1992 wurde es langsam gemütlich bei uns. Das Büro in der Otto-von-Guericke-Straße 56b war fast fertig renoviert und die ersten Pflanzen beanspruchten ihren Platz.🎍 Zusammen mit dem Klub A3 fanden hier auch erste Lesbisch-Schwule-Partys statt, wo auf den Toiletten Sachen passiert sind, die wir hier nicht weiter ausführen wollen... 🙉🙈🙊 Auch wurde es in diesem Jahr digital bei uns. Der erste PC für die Geschäftsstelle wurde angeschafft. Der damalige Streetworker Olaf hat diesen über Bundesmittel finanzieren können. Wir hatten für sowas kein Geld. 🤷🏻‍♂️

1993

Umzug in die Schäfferstraße

Chronik - 1993

Am 1. Januar 1993 wurde Sven Warminsky, mit knackigen 22 Jahren, Geschäftsführer der AIDS-Hilfe. Er ist es bis heute.🙈 Auf dem Foto seht ihr das damalige Team bestehend aus Hans, Olaf, Marc, Sven und Renate.

Ab dem 1. März hatten wir unseren ersten Umzug beendet. - Es sollte nicht der letzte sein. Die Anschrift der AIDS-Hilfe war fortan die Schäfferstraße 28. Falls euch die Adresse bekannt vorkommt: Der LSVD Sachsen-Anhalt sowie der CSD Magdeburg saßen bis 2017 ein paar Hauseingänge weiter.

Auch begann die Presse uns langsam wahr zunehmen. So berichtete die Volksstimme in eine ihrer Ausgaben darüber, dass es ca. 30 Menschen mit HIV oder Aids in Magdeburg gibt. Neben vielen Veranstaltungen in Schulen und unseren Räumlichkeiten ist Beratung für Hilfesuchende das oberste Gebot. 💚 So konnte man uns von montags bis freitags von 08:00 bis 17:00 Uhr erreichen. Die Positiven-Gruppe traf sich jeden Samstag von 17:00 bis 22:00 Uhr. Überstunden waren Alltag. 😇

1994

Zukunftsängste und Kaffeerunden

Chronik - 1994

1994 haben wir nicht nur schöne Kaffeerunden veranstaltet. Auch hatten wir dauernde Zukunftsängste, da eine stetige Weiterfinanzierung nicht gewährleistet war. So schrieb eine regionale Zeitung: "Drei Jahre AIDS-Hilfe Magdeburg. Hier wird aufgeklärt, beraten, geholfen oder einfach nur mit Betroffenen geredet. Jetzt droht das Aus - Politiker wollen den Geldhahn zudrehen."

20% weniger Geld sollte die Aidshilfe bekommen. Sven sagte damals hierzu: "Eine Katastrophe. Wir wären nur noch begrenzt arbeitsfähig. Aufklärungsarbeit an Schulen, Internaten oder in der Homo-Szene kann dann nicht mehr geleistet werden."

1994 lebten ca. 50.000 bis 80.000 Menschen mit HIV/Aids in Deutschland.

1995

Protestaktion mit Sarg und Kerze

Chronik - 1995

1995 sollten uns einmal mehr die Gelder gekürzt werden. Daher wurde eine - aus heutiger Sicht - sehr skurrile Protestaktion gestartet. Am 15. März wurde ein Sarg vor der Staatskanzlei aufgebaut. Eingerahmt von 250 Kerzen, die die Mittelkürzung von 25% symbolisieren. Die Aktion war ein Erfolg und die Kürzung war vom Tisch. 💪🏼

Zum 1. September mussten wir einmal mehr aufgrund von Rückführungsansprüchen die Koffer packen. Dieses mal zogen wir in die Weidenstraße 9 auf dem Magdeburger Werder. Seit der Vereinsgründung im Jahr 1991 unsere dritte Adresse. Hier war es auch soweit, dass wir erstmalig für alle fünf Angestellten Computer zur Verfügung stellen konnten. 10.000 DM hat uns der Spaß damals gekostet. Auch waren wir eine der ersten Vereine die ein "Onlinebanking"-Verfahren via BTX genutzt haben.

Dieser Tag war auch für Biggi ein ganz besonderer. Denn für sie startete an diesem Freitag ihre nunmehr 25 jährige Anstellung. 👏 🎉 💚

1996

Das Jahr der HAART

Chronik - 1996

Im Sommer 1996 fand in Vancouver die 11. Internationale Welt-AIDS-Konferenz statt. Hier startete die Wende im Kampf gegen Aids:

Mit den Protease-Inhibitoren stand eine neue Klasse von Medikamenten zur Verfügung und erste Ergebnisse einer neuen Therapiestrategie machten die Runde: HAART (Highly Active Antiretroviral Therapy), eine Kombination aus mindestens drei Wirkstoffen, drückte die Viruslast unter die Nachweisgrenze. Ihre Aufgabe: Hat eine HIV-Infektion stattgefunden, soll sie das Ausbrechen von AIDS vermeiden.

Aber damit verschwanden die Probleme nicht. Viele hatten mit den schwerwiegenden Nebenwirkungen sowie der Anzahl und Größe der Tabletten zu kämpfen. Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen mit HIV war damals wie heute leider Alltag und auch schwul sein war bei weitem nicht so akzeptiert. Ein Glück dass seit 1996 Biggi als Streetworkerin arbeitete. Eine Frau in der schwulen Szene. Witzigerweise hatte nicht unsere Zielgruppe das Problem mit ihr, sondern Westdeutsche Aidshilfen. 🙈

1997

Jede menge Arbeit

Chronik - 1997

1997 gab es anscheinend keine Hiobsbotschaften. 😅 Jedenfalls lässt das Pressearchiv darauf schließen. Daher bestand genügend Zeit für die Kernaufgaben der Aidshilfe. Prävention, Beratung und Begleitung von Menschen mit HIV/AIDS.

Auch das Vereinscafé der Aidshilfe in der Weidenstraße 9 erlangte immer mehr Bekanntheit. Am Vorabend des 10. Welt-AIDS-Tages luden die Mitarbeiter*innen der Aidshilfe zu einen Tag der offenen Tür. Die Presse war natürlich auch da und berichtete am nächsten Tag: "Ehrenamtliche Mitarbeiter der Aidshilfe warteten beim Tag der offenen Tür auf Besucher." Auf dem Foto ist übrigens Biggi zu sehen. 💚

Im Jahr 1997 fanden im Zeitraum von Januar bis Oktober 209 telefonische Beratungen statt. Dem gegenüber standen 139 persönliche Beratungen.

1998

Polte poltert gegen Homosexuelle

Chronik - 1998

Im Jahr 1998 polterte der damalige Magdeburg Oberbürgermeister Willi Polte gegen Homosexuelle. 🥒

Hierzu schrieb die Queer: »Gerade mal zwei Tage waren nach der sachsen-anhaltinischen Wahl vergangen, bei der die rechtsextreme DVU erstmals in ein ostdeutsches Landesparlament gelangte, da wurde in der Magdeburger Volksstimme Oberbürgermeister Polte zitiert, der sich zu weiteren Vorgehensweise nach dem Einzug der rechten DVU in den Landtag äußerte. Nach Ansicht des Sozialdemokraten liegen die Hauptaufgabe der Parteien darin, Arbeitsplätze zu schaffen und sich nicht mit „… sinnlosen Debatten über Schwulenbeauftragte, Experimente im Schulbereich und den Sinn oder Unsinn einer Südharz Autobahn“ zu befassen.

Ob Willi Polte den Rechtsextremen verbal entgegenkommen wollte, ist ebenso unklar wie die Frage, warum er sich ausgerechnet bei seiner ersten öffentlichen Äußerung das Homoreferat als Zielscheibe ausgesucht hat. Dieser Zeitungsartikel erregte jedenfalls diverse Verbände wie die Fraueninitiative e.V. und den "Lesbisch-Schwulen Runden Tisch Sachsen-Anhalt", die Protestbriefe an SPD, Land und Volksstimme sandten und den Oberbürgermeister zu einer konkreten Stellungnahme und der Distanzierung von seinen eigenen Worten aufforderten. Zusammen vertreten Sie die Meinung, dass Polte mit diesen Ausspruch seine eigene Inkompetenz bewiesen und die bisherigen Erfolge der SPD im Hinblick auf das Antidiskriminierungsgesetz in Misskredit gebracht hat.

Nachfrage von QUEER im Presseamt des Rathauses ergab, dass sich Polte vehement gegen den Vorwurf der Ausgrenzung von Lesben und Schwulen wehre. Allerdings müsste das politische Augenmerk darauf zielen, alle demokratischen Kräfte zu bündeln, um das Hauptproblem der Arbeitslosigkeit mit all seinen Auswirkungen zu bekämpfen. Später könnte man sich auch wieder stärker anderen Themen widmen, ließ Poltes Sprecher ausrichten.«

Da dies alles noch nicht reicht, wurde vom Stadtrat weiterhin keine Präventionsstelle finanziert, weshalb wir schweren Herzens Hans Bischof kündigen mussten, da er zuvor über Drittmittel angestellt war. Ab diesem Zeitpunkt mussten Sven und Biggi "Den Laden alleine schmeißen"

Wir hatten es zu dieser Zeit nicht leicht. An der Spitze einen homophoben Oberbürgermeister und eine große Mehrheit im Stadtrat die HIV-Prävention nicht als gesellschaftliche und gesundheitspolitische Aufgabe verstanden. 😞 - Dies änderte sich erst mit der Kommunalwahl 2014

1999

Wir expandieren

Chronik - 1999

Anfang des Jahres 1999 wurde expandiert. Die AIDS-Hilfe eröffnete eine weitere Beratungsstelle in Stendal. Diese bezog ihre Büroräume im Jugendfreizeitzentrum Mitte und wurde durch Karin und Gerald verantwortet. Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Stendal sowie den städtischen Behörden war im übrigen von Anfang an hervorragend. Auch heute noch halten wir gute Kontakte zu unserer Stendaler Kolleginnen im Gesundheitsamt. 💚

1999 haben wir auch in einem ganz anderen Bereich expandiert. Unsere Website ging online. Ab diesem Datum konnte man sich über HIV und Aids im Internet informieren.

Im Mai wurde auch wieder ein neuer Vorstand gewählt. Der Verein wurde daher fortan von Anne Timm, Tina Burghard und Norman Buch vertreten.

Ein kleiner "Fun-Fact": Aus dem Pressearchiv konnten wir ablesen, dass bis zum Jahr 1999 bereits 10x in den Magdeburger Räumlichkeiten eingebrochen wurden ist. Bis heute fragen wir uns: Wozu? An Kondome kann man auch einfacher kommen. 🤷🏻‍♂️🤷‍♀️

Auf dem Foto ist Marco Kubny (ehemaliger Vorstands-Vorsitzender) und Gerald zu sehen.

2000

Sven Ottke unterstützt uns

Chronik - 2000

Wir sind im Jahr 2000 angekommen und unsere Vereinsgeschichte ist noch nicht einmal zweistellig. - Wir sind wirklich alt 😅

Im Jahr 2000 hält unser Pressearchiv nicht so viel bereit, dafür sind die wenigen Beiträge umso imposanter. ☺️ Der Profiboxsportler Sven Ottke war ein Fan von uns und hat die erste Klientenfahrt, welche im Folgejahr erstmalig statt fand, mit 5.000 DM möglich gemacht. Hierfür wurde ein Auto versteigert und den Erlös haben wir dann bekommen - natürlich nach Abzug der Kosten. 🙈 Für das Autohaus war das ein gutes Geschäft.

Im Sommer sind wir wieder einmal umgezogen. 🏠 Dieses Mal waren daran keine Rückführungsansprüche schuld, sondern der bloße Wachstum des Teams. Daher schauten wir uns nach neuen Räumlichkeiten um und fanden am Breiten Weg 213 ein neues Zuhause. Wir bezogen ein ca. 250 qm großes Büro mit Café und Blick auf dem Dom. 🙃

2001

10 Jahre Aidshilfe

Chronik - 2001

2001 konnten wir auf 10 Jahre Aidshilfe zurück blicken. Auch wurde im August 2001 die eingetragene Lebenspartnerschaft für gleichgeschlechtliche Lebenspartner*innen beschlossen. Ein Meilenstein in der Gleichstellung von nicht-heterosexuellen Menschen. Das erste Paar, dass sich 2001 in Sachsen-Anhalt getraut hat, war mit uns bereits sehr verbandelt. Helfried, damaliger Mitarbeiter und Stephan, Mitglied in der AIDS-Hilfe.

Sven erinnert sich an die dazugehörige Pressearbeit: "Ich habe gefühlt acht Wochen lang nichts anderes mehr gemacht. Presseanfragen am Telefon und per E-Mail beantwortet. Pressevertreter akkreditiert, die unbedingt dabei sein wollten; am liebsten im Trauzimmer. Ich glaube, dass es damals mehr als 300 Anfragen gab... So ganz genau weiß ich das nicht mehr. Die Trauung war auf der Wasserburg in Gommern. Hier musste ich die Pressemeute bei Laune und im Zaum halten. Daneben waren viele Schaulistige dort, die einen Blick erhaschen wollten. Das war damals alles völlig verrückt. Und natürlich musste das Paar auch geschützt werden, damit es wenigstens noch ein bisschen Privatsphäre hatte. Nach dem Mittagessen ging es dann, mit einem durch die SPD gestellten Cabrio, zum Breiten Weg. Dort gab es für alle einen öffentliches Auftritt. So ganz ohne Community ging es halt doch nicht. Zum Abschluss des Tages gab es dann eine private Feier mit Verwandten, Freund*innen und Kolleg*innen."

Auf dem Foto seht ihr eine Projektarbeit des damaligen 8. Jahrgangs der Gesamtschule "Willy Brandt". Die Ausstellung, die allerlei Material zu den Themen HIV und Aids bereit hielt, wurde in der Buchhandlung im Flora Park ausgestellt. Einige Materialien darunter haben in Zwischenzeit bereits Kultstatus erreicht. 💚

2002

Hotel verweigert Obdach für HIV-positive

Chronik - 2002

Im Jahr 2002 waren wir bundesweit in der Presse. 🙈 Grund hierfür war ein kleines Hotel in Thüringen, dass sich beharrlich weigerte unseren Klient*innen während ihrer Positivenfahrt ein Obdach zu geben.

Hier ein kleines Zitat der Hotelleitung aus der damaligen Absage: "Selbst wenn ein Wochenende frei gewesen wäre, hätten wir ihre Gruppe nicht aufnehmen wollen… Unseren Mitarbeitern und der Banken über sind wir verpflichtet, Geld verdienen zu müssen. Das können wir nur, wenn sich unsere Gäste bei uns wohl fühlen. Leider wird es nicht zu sein, wenn ihre Gruppe bei uns ist… Das klingt für uns Ihnen gegenüber sehr hart – leider können aber die meisten Menschen mit kranken nicht umgehen und das sind nun mal unsere Gäste, auf die wir Rücksicht nehmen müssen." Auf eine Entschuldigung des Hotels warten wir im übrigen immer noch. 😞

Im August 2002 forderten wir, wieder einmal, dass mehr HIV-Prävention nötig sei um eine Zunahme der HIV-Infektionen in Sachsen-Anhalt zu verhindern. Passend hierzu ist unser Bild, welches Jan Kolata (rechts) und Helfried (sitzend) bei einer HIV-Prävention in Könnern zeigt. Jan absolvierte zu dieser Zeit sein erstes Praktikum bei uns. Bis zur Anstellung sollte noch ein wenig Zeit vergehen.

2003

Bistum setzt uns vor die Tür

Chronik - 2003

Ende Februar 2003 hieß es einmal mehr "Koffer packen". Aus der Presse mussten wir erfahren, dass das Haus im Breiten Weg an das Bistum verkauft wurde. Das Bistum beteuerte aber immer wieder, dass sie uns "halten" möchten. Gemeinsam entwickelten wir also unsere neuen Raumkonzepte für den Umbau. Eine Kündigung war nicht in Sicht, so dass wir uns auf den Umbau freuten. Das Bistum hat sich dann wohl doch an uns gestört und feuerte uns unerwartet mittels Kündigung aus dem Haus. Von einer Rückkehr nach dem Umbau wollte das Bistum dann plötzlich nicht mehr sprechen. 🤷🏻‍♂️

Wir mussten schnell raus und starteten eine öffentliche Suche nach neuen Räumen, da einfach alles im Sande verlief und wir einfach keinen Vermieter finden konnten, der uns wollte. Hier gab es viele Aussagen der Vermieter. Von "Die Bank erlaubt es nicht, mit euch einen Vertrag abzuschließen" bis "Wir finden keine weiteren Mieter, wenn wir euch nehmen" war alles dabei, was mensch sich so an Grausamkeiten an Ausreden vorstellen kann. Uns wurden echt die Füße kalt. Die Rettung nahte durch die IKK gesund plus (Dr. Olaf Haase) und dem ehemaligen Handwerkskammerpräsidenten Klaus Medoch, in dessen Haus wir noch heute arbeiten.

Ab dem 5. März lautete unsere Geschäfts- und Beratungsadresse "Am Polderdeich 55". Auf dem Foto sind Gerald und Steffen bei einer wohl sehr konspirativen Sitzung zu sehen. 😉

2004

Kirche und Aidshilfe

Chronik - 2004

Im Jahr 2004 haben uns Nonne und Pastor auf dem CSD besucht.

Der CSD fand da schon seit einigen Jahren in der Magdeburger Liebigstraße statt, in unmittelbarer Nähe der damaligen Szene-Bar "Gummibärchen". Eine echte Legende... 🧸

Die beiden Ehrenamtler*innen auf dem Foto sammelten für uns Spenden und verteilten Kondome an die zahlreichen Besucher*innen des Straßenfestes. Zumindest das Kondome verteilen, ist bis zum heutigen Tage ein Dorn im Auge der katholischen Kirche. Sven erhielt hierfür sogar schon eine Anzeige, wegen "Förderung der Prostitution". Aber das nur am Rande und es war vor 2001. Weshalb die Kirche so stark gegen Kondome ist, scheint schnell erklärt: Kondome verhindern neues Leben. Aber bei schwulen Männern ist das etwas anderes, das hat sogar der Caritas erkannt. Deshalb darf unser Kollege Hans-Peter hier auch Kondome an schwule Männer verteilen. 😅

2005

"Karaja" wurde versteigert

Chronik - 2005

2005 zeigte sich einmal mehr die gute Zusammenarbeit mit der AOK. Bei einer Versteigerung zugunsten der AIDS-Hilfe ersteigerte Anne Vorwerk (m.) das Werk "Karaja" von Anderson Farah (hinten rechts). Durch die Auktion konnten 560,00 Euro an die AIDS-Hilfe gehen. Auf dem Foto ist unter anderen Doreen, ehemaliger Vorstand (links), und Sven (rechts) zu sehen.

Doreen und Sven besuchten Anderson später auch bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg, wo er von 2002-2007 in verschiedenen Produktionen spielte.

2006

15 Jahre Aidshilfe

Chronik - 2006

Wir schreiben das 15. Jahr unseres Vereins und im Gegensatz zum pubertierenden Menschen, erreichen wir ruhigeres Fahrwasser. Die Landesfinanzierung ist nicht üppig, aber sie kommt und unsere Arbeit wird anerkannt. ❤️🧡💛💚💙💜

2006 war wieder einmal CSD in Magdeburg. Zum ersten mal fand anlässlich der Aktionswoche ein LesBiSchwuler Stadtspaziergang statt, wo auch die Schwestern des Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz Berlin dran teilnahmen. Zu dieser Zeit war die Zusammenarbeit mit den Schwestern noch recht frisch. Sie dauert aber bis heute an und wir sind unendlich dankbar, dass es sie gibt. ✨

2007

Talk and Kiss geht an den Start

Chronik - 2007

2007 startete unser neues Präventionsprojekt »Talk and Kiss«. Das Projekt richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene mit geistiger und/oder körperlicher Beeinträchtigung sowie deren Betreuer und Eltern. Es war die erste Zusammenarbeit mit der Aktion Mensch und der Start in die sexuelle Bildungsarbeit in Verbindung mit HIV/STI-Prävention und das in einer besonders vernachlässigten und sexuell stigmatisierten Zielgruppe. Auf dem Foto sehr ihr Sven (l.) und Doreen (r.), die damalige Projektleiterin bei der Pressevorstellung des Projektes. Die Aktion Mensch unterstützte das Projekt von April 2017 bis März 2010 mit 183.500 € bei Gesamtkosten von 218.400 €.

Das Projekt, wenn auch etwas eingeschränkt, kann auch heute noch bei uns gebucht werden. Wir begleiten und unterstützen die Entwicklung der Zielgruppe für ein Jahr und vermitteln durch abgestimmte Workshops das benötigte Wissen.

Falls ihr nun denkt: "Das klingt aber spannend!" Dann ruft doch mal Jan an: 0391-535 769-15

2008

Hallo Jan

Chronik - 2008

2008 hatte Jan Kolata einen ziemlich geilen Start ins Jahr. Denn ab dem 01.01. hatte er nach zwei Praktika endlich eine Festanstellung in der Tasche. 🎉 ​​

Das Jahr 2008 schien relativ ruhig zu verlaufen. Jedenfalls fällt uns nach ständigen Mittelkürzungen und zahlreichen Umzügen nichts anderes mehr ein. 😅 Im Dezember wurde es dann plötzlich aufregend! Der Weihnachtsmann kündigte auf unserer Klient*innen-Weihnachtsfeier seinen Besuch an und verteilte Geschenke an alle Anwesenden. Natürlich durften die Mitarbeiter*innen auch eins haben - so wie unsere Halima.

2009

Wir wappnen uns für die Zukunft

Chronik - 2009

2009 sind wir aus allen Nähten geplatzt. Eine enorme Anzahl von Beratungen, Begleitungen und Präventionsveranstaltungen ließen nicht nur die Anzahl der Mitarbeitenden steigen, sondern auch der Bedarf nach mehr Platz. Auch blieb die Entwicklung unserer Angebote nicht stehen, sodass wir HIV-Testungen anbieten wollten - was in der alten Geschäftsstelle räumlich nicht umzusetzen war. Die Folge war, dass wir einmal mehr unsere Koffer packen durften. Ab August konnte man uns im Nachbareingang finden. Hier haben wir nach einem Umbau unseres Vermieters genug Platz auf über 300 m², verteilt auf zwei Etagen, in über 6 verschiedenen Büros, zwei Beratungsräumen, einem Seminarraum, zwei Balkonen, sowie einer Lounge und unserem kleinen Labor. 😅 Darüber hinaus sind wir über zwei verschiedene Eingänge erreichbar, was die Anonymität unserer Klient*innen erhöhte.

Diese wunderbaren Räume konnten und können wir uns bis heute nur durch das Wohlwollen unseres Vermieters, der Familie Medoch, leisten. 💐

2010

erster HIV-Schnelltest 

Chronik - 2010

Durch unseren Umzug in 2009 haben wir den Grundstein für unser Testangebot und den damit verbundenen Checkpoint legen können. So kam es, dass wir am 13. Januar 2010 unseren ersten HIV-Antikörper-Schnelltest durchführen konnten. Er war übrigens negativ. 🥳

Auf dem Foto seht ihr einen kleinen Teil unseres Team, bestehend aus Patrick (kniend), Sven N. (auf Patrick lehnend), Jan Kolata (ganz rechts), Heiko (links neben Jan), Susi (neben Heiko) und vielen ehrenamtlichen Helfer*innen die anlässlich des Welt-AIDS-Tages auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt unterwegs waren um Kondome und Infos zu Safer Sex an die überraschten Passant*innen zu verteilten. 💚

2011

Schicksalsjahre

Chronik - 2011

2011 könnte man so zusammenfassen: Schicksalsjahre zweier Aidshilfen. 😅 Aufgrund der nicht ausreichenden Landesfinanzierung war es finanziell nicht möglich die Aidshilfen in Halberstadt, Halle und Magdeburg erfolgreich zu betreiben. Das Land wollte nur noch eine. Sven wollte sich mit der Situation nicht abfinden, so dass knallhart verhandelt wurde und eine "Krisensitzung" die nächste jagte. Der erzielte Kompromiss war hart, sicherte aber das Überleben der Struktur. Die AIDS-Hilfe Magdeburg e.V. "schluckte" die AIDS-Hilfe Halberstadt e.V. und aus der AIDS-Hilfe Magdeburg e.V. wurde nun die AIDS-Hilfe Sachsen-Anhalt Nord e.V.

Die Mitarbeitenden der Halberstädter AIDS-Hilfe wurden alle übernommen und zogen sogar am 01. August 2011 in eine viel größere Beratungsstelle um. Die erste Etage einer wundervollen Villa wurde nun die Heimat der drei Kolleg*innen. Auf über 200 m² konnte die Arbeit organisiert und neue Angebote gestrickt werden. Ein besonderes Highlight war damals das Kaminzimmer mit bleiverglasten Fenster.

Wir wuchsen immer weiter. Am 01.05.2011 durften wir Beatrice Peglau offiziell in unserem Team begrüßen. 🎉 Sie unterstützt und bereichert seitdem unser Team auf vielfache Weise. Welch schönes Geschenk zu unserem 20-jährigen bestehen. ❤️

Auf dem Foto ist Patrick zu sehen, wie er mit einem abgelesenen Gedicht versucht den Weihnachtsmann milde zu stimmen und ihm ein Geschenk aus seinem prall gefüllten Sack zu überlassen.

2012

Eröffnung Beratungsstelle Halberstadt

Chronik - 2012

Am 16. Januar 2012 fand unsere erste Ehrenteddy-Verleihung statt. Zu dieser Zeit ahnte niemand, welch Ausmaß dieses Event noch annehmen wird. 😅 Die erste Verleihung fand in unserem Seminarraum statt und war rückblickend betrachtet, eine sehr beschauliche Veranstaltung. Zu den Preisträger*innen gehörten Sabine Dutschko (für den Paritätischen Sachsen-Anhalt), das Team der Station 8, Heike Woost (für das Lebenshilfe Werk Magdeburg GmbH), der Internationale Bund e.V. und der HIT e.V. der Hochschule Harz.

Zwei Tage später, am 18. Januar 2012, wurden die neuen Räumlichkeiten der Beratungsstelle Halberstadt offiziell eingeweiht. 🎉 Hierher stammt auch das abgebildete Foto mit einem kleinen Teil des Teams: Patrick, Sabine, Gabi, Beatrice, Halima und Jan. Im Mai 2012 wurde das Team durch Andreas Bösener, von allen liebevoll Bambi 🦌 genannt, ergänzt.

2013

Ein schwules Schiff wird kommen

Chronik - 2013

Am 26. Juni 2013 stach bereits zum zweiten Mal 😅 unser schwules 🏳️‍🌈 Party-Präventionsschiff, die MS GAYTANIA, ⚓️ in die Elbe. Unter dem Motto: »Ein schwules Schiff wird kommen«, fanden sich 100 schwule Männer, die feiernd und flirtend über die Elbe zogen. Abgerundet wurde dieses einmalige Event durch einen Stripper, den kleinsten Darkroom der Welt - das LOVE-TENT, kulinarischer Verköstigung und einem großen Abschlussfeuerwerk über die Elbe.

2014

GEILE Jahre

Chronik - 2014

2014 startete unser neues Projekt »Geil«. Geil steht für Gesundheit, Emanzipation, Inklusion und Liebe. Das Projekt hat sich an sozial benachteiligte Jugendliche und Erwachsene sowie deren Betreuer*innen gewandt. Ziel war es in mehreren Modulen Wissen zu den Themen Sexualität, Social Networks, Körper, sexualisierte Gewalt, Verhütung, HIV und viele weitere Inhalte zu vermitteln. Das Projekt lief über 3 Jahre und hatte Gesamtkosten von 269.013 €. Wir konnten uns vor Anfragen aus betreuten Wohnformen nicht retten, für die das ja auch konzipiert wurde.

Parallel zu diesem Projekterfolg gab es auch seitens der Stadt und dem Land endlich große Neuigkeiten zu vermelden. Die stagnierende Finanzierung von 800 bis 6.000 € pro Jahr wurde auf 50.000 € angehoben und wir konnten endlich zum 01.01. des Folgejahres die erste hauptamtliche Präventionskraft für Magdeburg, nach 20 Jahren "Kampf" einstellen. Möglich wurde dieser Erfolg nur durch die Kommunalwahl und dem zum Teil völlig neu besetzen Magdeburger Stadtrat. Auch auf der Landesebene gab es Gutes zu berichten. Die damalige Koalition hat mit Unterstützung der Oppositionsparteien die Finanzierung von Aidshilfe in Sachsen-Anhalt um 100.000 € erhöht. Mit Haushaltswirkung 2015 gab es also für uns 25.000 € und ab 2016 weitere 25.000 € mehr.

Im April 2014 wurde unser erster Bundesfreiwilligendienstleistender (Bufdi) und späterer Auszubildender, der Nick, eingestellt. Auf dem Foto seht ihr Bianka, Bea, Bambi und Jana.

2015

Weltoffenheit und Toleranz

Chronik - 2015

Im Januar 2015 bauten wir unseren im Vorjahr professionalisierten Infostand mal wieder auf der Meile der Demokratie auf. 💪🏼 Ziel dieser Meile, die sich bis zum Jahr 2018 jährlich über den Breiten Weg erstreckt hat, war mit vielfältigen Aktionen ein Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz zu setzen.

Am 25. Februar haben wir uns wieder herausgeputzt, denn die nächste Ehrenteddy-Verleihung 🧸stand an. Unser Seminarraum ist zu klein geworden, weshalb wir es uns im Familienhaus Magdeburg gemütlich gemacht haben. An diesem Tag gingen drei kuschelweiche Ehrenteddys an 💚 Sarah Schulze (SPD), 💚 Burkhard Lischka (SPD) sowie 💚 Britta Eckert (Kooperationspartnerin aus dem Schulzentrum Könnern). 🎉 Ein weiterer Teddy ging an 💚 Dr. Christian Schulz (Uniklinik Magdeburg), der an diesem Abend auf einem Kongress war.

Anlässlich der CSD-Aktionswochen haben wir im August den Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz Berlin mit ihrer Klosterschule nach Magdeburg eingeladen. Die Klosterschule ist ein Safer-Sex-Workshop der anderen Art. Der Austausch und das gegenseitige befruchten 😉 steht hier an oberster Stelle.

2016

Ein Minion für Sven

Chronik - 2016

2016 sind wir 25 Jahre alt geworden und das musste natürlich ordentlich gefeiert werden! Durch die finanzielle Unterstützung der AOK Sachsen-Anhalt war es möglich eine Jubiläums-Veranstaltung auf die Beine zu stellen, bei der wir gemeinsam zurück geblickt und nach vorn geschaut haben.

25 Jahre AIDS-Hilfe bedeutet neben dem obligatorischen verteilen von Kondomen innerhalb unserer umfangreichen und zielgruppenspezifischen Primärprävention auch das Betreuen von Menschen mit HIV und Aids. Aidshilfe bedeutet Glück, denn Kinder wurden geboren und erfolgreiche HIV-Therapien verhelfen vielen Menschen mit HIV zu einem (fast) normalen Leben. Aidshilfe bedeutet aber auch Abschied nehmen, von Menschen die uns viel zu früh verlassen. Wir zogen mehrmals um, Mitarbeiter*innen kamen und gingen, unser Portfolio wuchs und es wurde mehrmals versucht uns abzuschaffen. Trotzdem sind wir noch da! 💪🏼 Wir sind in den 25 Jahren zu einem wichtigen Teil des Gesundheitssystems geworden.

Dies alles wäre durch eine treibende Kraft in Form von Sven Warminsky nicht möglich gewesen, weshalb die Mitarbeiter*innen ihn an diesem Tag mit einer süßen Versuchung in Form eines Minions überrascht haben. 💚 Danke Sven für deinen unermüdlichen Kampf. 💚

2017

Auf zu neuen Ufern

Chronik - 2017

2017 ist richtig, richtig viel passiert... 😅 Am Anfang des Jahres wurde unser neues Projekt A.B.I. durch die Aktion Mensch genehmigt. ❤️ A.B.I ist die Abkürzung für Ankommen - Bildung - Inklusion. Das Projekt hat sich an geflüchtete Menschen mit HIV/Aids gerichtet, die nicht länger als ein Jahr in Deutschland leben. Inhalte waren sprachliche Grundlagenvermittlung, zeitliche Strukturierung, Vermittlung von Handlungsstrategien zur Bewältigung des Alltags sowie theoretische Schulungen und praktische Anwendungen.

Am 3. August ging es für unsere Klient*innen in den Harz zu einer großen PostHIVenfahrt, bei der der Spaß sowie der Austausch im Vordergrund stand. Wir waren gemeinsam in der Baumannhöhle, auf einer Hängebrücke, sind gemeinsam mit einem Bob den Berg herunter gefahren, und haben uns abends bei Feuerschein Geschichten von früher erzählt. Und ganz nebenbei haben wir unseren Bildungsauftrag erfüllt. 🥰

Anfang Oktober wurde der HIV-Selbsttest zugelassen. Dies bedeutete, dass man seitdem den HIV-Schnelltest auch in Apotheken und Drogeriemärkten erwerben kann. Da uns diese Entwicklung Sorgen bereitete, hat unser Landesverband eine App entwickelt, die bei der Durchführung des Tests unterstützt und bei einem reaktiven Ergebnis schnelle Hilfe in Form von WhatsApp oder einem Telefonat ermöglicht. Parallel hierzu bieten wir seitdem auch eine Messenger-Beratung via WhatsApp und später auch per Telegram, Kik und Signal an.

Am 20. Oktober ging es für uns nach Kiel, um auf einem Schiff nach Oslo zu fahren. Die Überfahrt nutzten wir für unsere Klausurtagung. Auf der Überfahrt haben wir die Zukunft geplant. Zu den ersten Schritten zählte hier unser beschlossener Namenszusatz »Zentrum für sexuelle Gesundheit« sowie die mögliche Erweiterung des Checkpoints um zusätzliche Testungen. Die Fahrt nach Oslo wurde gesponsert, sodass der Eigenanteil sehr Überschaubar war. 💚 Vielen Dank nochmal an Color Line. 💚

2018

10 Jahre EKAF

Chronik - 2018

2018 bedeutet: 10 Jahre EKAF! 💚 Am 30. Januar 2008 veröffentlichte die Schweizerische Ärztezeitung fünf Seiten mit einer Botschaft: Bei einer erfolgreichen HIV-Therapie kann HIV selbst beim Sex ohne Kondom nicht übertragen werden. 💡Absender dieser Botschaft waren die EKAF, die Eidgenössische Kommission für Aidsfragen (seit 2012 Eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit), und die Fachkommission Klinik und Therapie des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).

Am 21. März haben wir einmal mehr unsere Ehrenteddys verliehen. Da nun auch die räumlichen Kapazitäten des Familienhauses erschöpft waren, sind wir ins Theater der Grünen Zitadelle gezogen. Hier entstand dieses wundervolle Teamfoto (v.l.n.r.: Jan, Bea, Bambi, Hesam, Martin).

Im Juli wurde unser Checkpoint-Angebot erweitert und die Bett-Tauglichkeits-Untersuchung (BTU) 💦 eingeführt. Die BTU vereinigt Schnelltestungen auf HIV, Syphilis, Chlamydien, Hepatitis A, B, C und bei Bedarf Tripper unter einem Namen. Hiermit haben wir einen lange geforderten Bedarf gedeckt, sodass die BTU in den ersten zwei Juli-Wochen bereits 6x in Anspruch genommen wurde.

Im Oktober fand der erste interdisziplinäre Fachtag HIV mit dem Schwerpunkt Spätdiagnosen statt. Der Fachtag, den wir in enger Kooperation mit der Uniklinik Magdeburg durchführten, hat sich das Ziel gesetzt, das Zeitfenster zwischen Infektion und Diagnose zu verkürzen. Dieser Fachtag war interdisziplinär angelegt und richtet sich an alle Akteure, die mit einer HIV-Infektion in Berührung kommen könnten. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. An dieser Stelle nochmals ein Dank an die Deutsche Aidshilfe für die finanzielle Unterstützung innerhalb des Projektes "Kein AIDS für Alle". 2020 sollte der 2. Fachtag stattfinden. Wegen Corona mussten wir ihn verschieben und hoffen, dass er 2021 realisiert werden kann.

Im Jahr 2018 wurde auch die PrEP in Deutschland zugelassen. PrEP ist die Abkürzung für „Prä-Expositions-Prophylaxe“, auf Deutsch: Vorsorge vor einem möglichen HIV-Kontakt. Bei dieser Schutzmethode nehmen HIV-negative Menschen ein HIV-Medikament ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. Die PrEP schützt so gut wie Kondome vor HIV, wenn sie richtig angewendet wird.

2019

Kämpfer für sexuelle Rechte

Chronik - 2019

Im März 2019 haben wir zu unserer bisher größten Ehrenteddy-Verleihung 🧸 geladen. Viele Gäste genossen mit uns gemeinsam einen wundervollen Abend voller Show, Humor und vieler emotionaler Worte für unsere Preisträger*innen, wie dem CSD Magdeburg e.V., Petra Grimm-Benne (Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt), Kahlmeier Immobilienmanagement, dem Ausbildungszentrum für Gesundheitsberufe sowie Karo Stein (Gay-Romance-Autorin)

Im Juli fand unsere zweite große Klausurtagung statt, wo wir gemeinsam beschlossen, dass wir unser Aufgabenspektrum um die Sexuellen Rechte der WHO erweitern wollen. So entstand auch der Spruchbanner für unseren CSD-LKW, der mit über 2.500 Teilnehmenden durch Magdeburg zog: 🏳️‍🌈 "Wir stehen auf Rechte... auf sexuelle Rechte!"

Leider gab es auch traurige Ereignisse in 2019. So mussten wir am 31.07. schweren Herzens unsere Beratungsstelle in Halberstadt schließen. 😞

2020

Das Corona-Jahr

Chronik - 2020

2020 war kein leichtes Jahr. Corona hatte uns fest im Griff. 😞 Doch Corona war auch eine Chance - die wir genutzt haben. Unsere Aidshilfe rühmt sich bereits seit Jahren weitestgehend papierlos und digital 🖥 zu arbeiten. So werden zum Beispiel die Fragebögen unseres Checkpoints mittels Tablet ausgefüllt und ausgewertet. Die Feedbackbögen sind auch digital. Analoge Kalender gibt es schon lange nicht mehr und dank einer modernen Telefon- und Serveranlage können wir schon länger von überall aus arbeiten. Als der erste Lockdown kam, war es für uns daher ein leichtes auf Home-Office - oder wie es bei uns liebevoll genannt wird: Homo-Office-, umzusteigen.

Unser Beratungs- und Testangebot können wir bis zum heutigen Tage, aufgrund eines ausgeklügelten Hygienekonzepts und anderer Maßnahmen, fast uneingeschränkt aufrecht erhalten und wir waren der erste Checkpoint in Deutschland der Covid19-Antikörper und Antigen-Testungen für Alle anbietet. Diese Entscheidung stieß bei anderen Aidshilfen nicht immer auf Gegenliebe.

Nach und nach schlossen alle Gesundheitsämter ihre Tore, so dass wir immer mehr die einzigen waren, die HIV- und STI-Testungen für die Bevölkerung anboten.

COVID-19 machte aber auch den Menschen mit HIV und Aids Angst. Wir waren und sind gefordert Menschen mit Fakten zu versorgen, mit ihnen zu reden, ihre Ängste ernst zu nehmen und ihre Ängste, da wo es geht zu nehmen, und sie bei Bedarf auch zu schützen. Video- und Telefonberatung erlebte auch bei uns ein noch nie dagewesene Beanspruchung.

Auch in Sachen sexuelle Bildung haben wir unser Angebot ausgebaut und einen Bildungskatalog entwickelt. "So ganz nebenbei" haben wir begonnen unsere Angebote in diesem Bereich auch online anzubieten, da wir bereits früh bemerkt haben, dass die Anfragen nicht abreißen. Hierfür haben wir kurzerhand entsprechendes Equipment angeschafft, unseren Seminarraum in ein Filmstudio umgewandelt und das Präventionskonzept auf online umgestellt.

Im Hintergrund haben wir derweil an unsere Satzung gefeilt, um unsere Arbeit zukunftsfähig zu gestalten. So kam es auch, dass auf unserer Mitgliederversammlung beschlossen wurde, unseren Namenszusatz "Zentrum für sexuelle Gesundheit" mehr in den Mittelpunkt zu stellen. 💪🏼