Eine Geschichte, die wie aus den 90ern klingt
Es war an einem Freitag im April, als ich in meinem Büro saß, auf dem Flur hörte ich ein starkes Husten und auf einmal klopfte es an meiner Tür. Der Arzt hatte dich zu mir geschickt, weil dein körperlicher Zustand lebensbedrohlich war und du alles sehr entspannt gesehen hast. Wir haben uns unterhalten und wir haben ziemlich schnell einen guten Draht zueinander gefunden. Du hattest viele scheinbare Gründe, warum du dem ärztlichen Rat, in der Uniklinik Magdeburg zu bleiben, widersprochen hast. Wir haben dann gemeinsam eine Verabredung getroffen, dass du dir alles nochmal durch den Kopf gehen lassen sollst und wir am Montag telefonieren.
Deine Entscheidung war, dann doch im Krankenhaus zu bleiben, 10 Tage warst du da. Es ging dir täglich besser und wir haben noch einen großen Spaziergang auf dem Gelände der Klinik gemacht, du wolltest schnellstmöglich nach Hause in deinen Garten. Die Ärzte sagten, es ist zu früh, du musst wirklich vorsichtig sein, dein Immunsystem ist noch lange nicht stabil und es stehen noch einige diagnostische Untersuchungen an. Du wolltest aber wirklich schnell nach Hause und hast die Gefahr leider unterschätzt. Wir haben dann viel telefoniert und nach kurzer Zeit, hörte ich dich dann wieder sehr stark husten. Auch hier hast du alles wieder bagatellisiert.
Bei unserem letzten Telefonat hast du mir versprochen wieder ins Krankenhaus zu gehen, als du dort angekommen warst, war dein Zustand so dramatisch, dass du sofort intensivmedizinisch versorgt werden musstest. Ich habe dich dann besucht und mir wurde mitgeteilt, dass du bisher wenig Besuch erhalten hast. Sprechen konntest du zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Du brauchtest bereits die Beatmung durch Maschinen. Ich habe deine Hand gehalten, deine Lippen befeuchtet, weil du so unendlich körperlich schwach warst. Entschuldige meinen bösen Humor, als du mir per Handzeichen etwas erklären wolltest und ich sagte: „ich bin total schlecht in Pantomime“. Es war meine Art mit der Situation umzugehen, aber ich konnte dir damit auch ein Lächeln stehlen.
Ein Stück erholtest du dich und es gab nach einigen Wochen Zuversicht aber dann…es ging alles sehr schnell. Ein Anruf veränderte alles. Man sagte mir, niemand kann mehr helfen, Begriffe wie palliative Versorgung sind gefallen.
Deine Stimme habe ich nie wieder gehört. Am Donnerstag, den 16.07.26 hast du alle Menschen, die dich mochten und gernhatten, für immer verlassen.
Danke lieber Fabian, dass ich dich kennen lernen und begleiten durfte.
Eine Geschichte, die wie aus den 90er klingt? Leider nein. Wir schreiben das Jahr 2026 und es geht um AIDS. Es ist unter uns.
Marcus Schröder
- Referatsleiter Menschen mit HIV
Teilen auf